03 Feb
03Feb

Heute vor 1.161 Jahren, am 3. Februar 865, verstarb - wahrscheinlich im Alter von 64 Jahren - in Bremen Erzbischof Ansgar. Er wird in der katholischen Kirche als Heiliger und „Apostel des Nordens“ verehrt. 

Vieles wissen wir über ihn, weil uns sein Nachfolger als Bischof von Hamburg und Bremen, Rimbert, der ebenfalls als Heiliger verehrt wird, eine Lebensbeschreibung hinterlassen hat. (Vgl. Albert Hauck, Kirchengeschichte Deutschlands II, Leipzig 81954, 689-711.)

Ansgar stammte aus der Gegend von Corbie in Nordwest-Frankreich. Im Alter von fünf Jahren soll er bereits seine Mutter verloren haben. Dieser frühe Verlust muss ihn sehr stark geprägt haben. Sein Vater vertraute ihn den Mönchen der Abtei Corbie an. Dort erhielt er Schulunterricht und wurde schließlich auch Mönch und Lehrer in derselben Abtei.

Bereits Karl der Große hatte die Brüder von Corbie mit der Gründung eines neuen Klosters im Zentrum des inzwischen christianisierten Sachsenstammes beauftragt, aber Karl verstarb und es kam erst unter seinem Sohn Ludwig dem Frommen zu dieser Gründung. 

Es ist davon auszugehen, dass dieses Kloster zunächst 815 an einem völlig ungeeigneten Ort errichtet wurde, von dem wir heute nur noch den Namen wissen, Hethis. Vielleicht befand sich dieses Hethis im oder am unwirtlichen Solling. 822 dann siedelten sich die Mönche in der fruchtbaren und klimatisch etwas milderen Weserniederung an, dem heutigen Ort Corvey nahe Höxter.

Wir gehen davon aus, dass Ansgar zu den Mönchen gehörte, die von Corbie direkt in das neue Kloster in Corvey an der Weser geschickt wurden. Ansgar arbeitete auch in Corvey als Lehrer an der sich noch im Aufbau befindlichen Klosterschule. 

Er muss bei seinen Vorgesetzten einen guten Eindruck hervorgerufen haben, so dass er 826 dazu berufen wurde, den in Mainz neugetauften Königssohn Harald von Dänemark, der gegen seinen Bruder Göttrik um die Thronfolge kämpfte, nach Dänemark zu begleiten. Dies war wahrlich kein Schulausflug, sondern eine gefährliche Mission, die Ansgar jedoch mit Feuereifer auf sich nahm.

Was jetzt folgt, ist weltlich betrachtet keine Erfolgsgeschichte. In Dänemark interessierten sich die Mächtigen kaum für den christlichen Glauben; auch in Schweden, wo Ansgar predigte, gab es keine Massentaufen. 

Schließlich wurde - wie oft in der Kirchengeschichte beobachtet werden kann - versucht, die Mission mit Hilfe von neuen Strukturen voranzutreiben, und so wurde Ansgar 832 erster Erzbischof von Hamburg. Auf Wunsch des Kaisers bestätigte Papst Gregor IV. diese Beförderung und ernannte ihn zugleich zum päpstlichen Legaten für Schweden, Dänemark und das Slawenland. 

Letztlich und endlich aber waren das die berühmten „Titel ohne Mittel“, weil Ansgar nämlich über keine eigenen Einnahmen verfügte, um notwendige Einrichtungen für die Mission zu finanzieren. 

845 kommen schließlich normannische Seeräuber nach Hamburg, und Ansgar bleibt unterdessen nichts anderes übrig, als mit ein paar Getreuen Richtung Bremen zu fliehen, um sein Leben zu retten. Ansgar behielt zwar den Titel eines Erzbischofs von Hamburg, wirkte aber bis zu seinem Tod faktisch in Bremen als Bischof.

Der protestantische Kirchenhistoriker Albert Hauck (1845-1918) schreibt: „Vielleicht hat in der deutschen Kirche dieser Zeit kein Mann so selbstlos gearbeitet als er; er war stets bereit, die größere Hälfte der Arbeit für sich zu nehmen und sich mit der kleineren Hälfte des Ansehens und Einflusses zu begnügen. […] In seiner Selbstlosigkeit glich er den Bischöfen dieser Zeit wenig: sie wurden Fürsten, er fühlte sich als Prediger...“ (Ebd. 707)

1995 wurde das Erzbistum Hamburg durch den Hl. Papst Johannes Paul II. wiederbegründet. Diese Wiederbegründung einer überkommen kirchlichen Struktur war auf vielen Seiten mit großen seelsorglichen Hoffnungen und mancherlei Aufbruchsstimmungen verbunden.

Inzwischen sind in diesem flächenmäßig größten Bistum Deutschlands ca. fünf sogenannte Basisstationen als Zentren für die Sendung und die Sammlung der Kirche der Erzdiözese Hamburg geplant, weil die künftigen Pfarrstrukturen auf Dauer personell und auch finanziell nicht mehr bedient werden können. Diese Planung ist aus unserer Sicht ehrlich, realistisch und notwendig.

Hierzu gibt es durchaus eine historische Analogie: Der Heilige Ansgar kam aus Corvey, einer markanten und zentralen Basisstation an die Peripherie. Noch im Jahr 847 gab es im Hamburger Sprengel nur vier Taufkirchen: Hamburg, Meldorf, Heiligenstädten und Schenefeld, letztere beide in der Nähe von Itzehoe (vgl. ebd. 700, Anm. 4). In Hinblick auf die geplanten Basisstationen des Erzbistums Hamburg heißt dies: Im Norden nichts Neues!

Kehren wir zurück ins Weserbergland. Ansgar hatte wahrscheinlich mit einem Flussschiff Corvey verlassen. Er verließ für seine Sendung an die Peripherie sein Kloster. Er verließ gleichermaßen seine Basisstation, in der er Sammlung und Geborgenheit fand, und wir können davon ausgehen, dass er Corvey nie wieder sah.

Corvey selbst wurde im Laufe der Jahrhunderte zu einer großen Basisstation des Glaubens, der Hoffnung und der Liebe. Heute ist Corvey wie das ganze Weserbergland in vielerlei Hinsicht zur Peripherie geworden, was der Weserberglander nicht unbedingt als Verlust betrachtet, denn Papst Franziskus war jener Pontifex, der die spirituelle Kraft an den Rändern, die Kraft der Kirche an der Peripherie erkannt hat.

UTGH