Es mutet merkwürdig an, den bisweilen aufwendigen Halloween-Schmuck bis in die einsamsten Dörfer des Weserberglandes hinein zu bestaunen.
Eine Kultur ist entstanden, die wir in unserer Kindheit noch nicht kannten. Kulturelle Eigenarten globalisieren sich offensichtlich in einer atemberaubenden Geschwindigkeit.
Der goldene Oktober und die inszenierten Geisterstunden von Halloween sind inzwischen vorbei. Es ist November geworden und zu Beginn dieses Monats gedenkt am heutigen Allerseelen-Tag die katholische Kirche aller Verstorbenen, die jemals auf dieser Welt gelebt haben. Die evangelische Kirche begeht ihr Totengedenken am Sonntag vor dem ersten Ersten Advent, dem Totensonntag.
Was erwartet uns eigentlich nach dem Tod?

Der Prophet Jesaja liefert uns diesbezüglich seine Vision :
„Der HERR der Heerscharen wird... für alle Völker ein Festmahl geben mit den feinsten Speisen, ein Gelage mit erlesenen Weinen, mit den feinsten, fetten Speisen, mit erlesenen, reinen Weinen. […] Er hat den Tod für immer verschlungen und GOTT, der Herr, wird die Tränen von jedem Gesicht abwischen …, denn der HERR hat gesprochen.“ (Die Bibel, Jesaja 25, 6.8)
Bei der Betrachtung der vielfältigen Ratgeberliteratur unserer Tage begegnet uns ein neuer Begriff: „Longevity“. Dieser Begriff, den man mit „Langlebigkeit“ übersetzen könnte, scheint zum Kult- und Hoffnungswort dieser Tage geworden zu sein.
Darin offenbart sich wohl der ausdrückliche Wunsch, so lange wie möglich bei bester Gesundheit zu leben. Unausgesprochen begegnet uns darin vielleicht auch die Sehnsucht, hier irgendwie ewig zu (über-)leben.

In Form von Büchern, Internet-Blogs, Videos und verschiedensten Programmen begegnet uns eine förmliche „Longevity-Industry“. Allen Programmen dieser Industrie ist eines gemeinsam: Die ausdrückliche Warnung vor fetten Speisen und Alkohol.
Mit „fetten Speisen“ und „erlesenen Weinen“ wirbt allerdings der Prophet Jesaja, und das lässt den Longevity-Anhänger stutzig werden und fragen: Warum sollte mich ein Festmahl des Herrn mit Fett und Alkohol motivieren?
Wahrscheinlich hatte der Prophet Jesaja eine ganz andere Ausgangsposition als wir. Er hatte eine Mangelgesellschaft vor Augen, und wir leben indes in einer Überflussgesellschaft mit vielen Wohlstandserkrankungen.

Die Adressaten der Vision des Propheten waren eher diejenigen, die selten oder nie feine und fette Speisen oder erlesenen Wein zu Gesicht bekamen. Aber auch heute noch leben unzählige Menschen in Hunger und Elend.
So sinnvoll ein gesundes Leben auch ist, Longevity kann unsere menschlichen Kern-Probleme nicht lösen. Was würde uns ein langes und gesundes Leben nützen angesichts von Angst, Krieg oder Terror, die uns auch in unseren westlichen Komfortzonen immer näher kommen.
Der Allerseelen-Tag lädt ein, uns aufs neue auf Ewigkeit hin auszurichten. Allerseelen lädt uns ein, über uns und unserer Leben in Zeit und Raum hinaus zu denken.
„Denn wir haben hier keine bleibende Stadt, sondern wir suchen die zukünftige.“ (Bibel, Brief an die Hebräer 13,14)
UTGH
