Die Woche vor Ostern wird als Heilige Woche oder Karwoche bezeichnet. Eine besondere Bedeutung haben in der Karwoche für alle Christinnen und Christen die Tage von Donnerstag bis Sonntag, die auch als Österliches Triduum bezeichnet werden.
In den in unserem Blog öfter zitierten Weserbergland-Klöstern, aber auch in den Kirchen im Weserbergland werden – wie auf der ganzen Welt – diese Tage auf besondere Weise gefeiert.
Bei dieser Art und Weise des Feierns geht es nicht allein um die Erinnerung an etwas, was längst vergangen ist. In den österlichen Liturgien geht es um mehr, nämlich um die Vergegenwärtigung der Gegenwart Jesu Christi als leidenden, sterbenden und auferstandenen HERRN.

Die Liturgien, also die Gottesdienste, die in diesem Tagen gefeiert werden, sind ein Ort, an dem Menschen eine Gotteserfahrung machen können. Besonders deutlich wird das in der katholischen Liturgie am Gründonnerstag bei der Feier des Letzten Abendmahls. Bei den Worten zur Heiligung von Brot und Wein, das sind Worte, die Jesus bei seinem letzten Abendmahl gesprochen hat, heißt es:
„Denn am Abend, an dem er ausgeliefert wurde und sich aus freiem Willen dem Leiden unterwarf – das ist heute–, nahm er das Brot und sagte Dank, brach es, reichte es seinen Jüngern und sprach: Nehmet und esset alle davon: Das ist mein Leib, der für euch hingegeben wird. Ebenso nahm er nach dem Mahl den Kelch, dankte wiederum, reichte ihn seinen Jüngern und sprach: Nehmet und trinket alle daraus: Das ist der Kelch des neuen und ewigen Bundes, mein Blut, das für euch und für alle vergossen wird zur Vergebung der Sünden.Tut dies zu meinem Gedächtnis.“
Der Termin des Osterfestes ergibt sich – im Gegensatz zum Weihnachtsfest – aus dem historisch verifizierbaren Geschehen der Kreuzigung Jesu, die mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit an einem Freitag, dem 3. April 33, nämlich am Vortag des jüdischen Pascha-Festes in Jerusalem stattfand.
Weil der jüdische Kalender ein Mondkalender und das Paschafest ein bewegliches Fest ist, wurde in Anlehnung daran von der Kirche auf dem Konzil von Nicäa im Jahr 325 der erste Sonntag nach dem Frühlingsvollmond als Ostertermin festgelegt.

Damit korrespondiert das Osterfest sowohl mit dem Frühling, in dem die Natur nach dem Winter ihre Auferstehung feiert, als auch mit dem Kosmos, denn immer wieder begegnet uns der Mond als ein objektives Zeitmaß. Der „Mond gebietet über alles, was im Kosmos dem Gesetz des zyklischen Werdens unterworfen ist. […] So wurde er zum Gestirn der Lebensrhythmen und allmählich zur Quelle alles Lebens und aller Fruchtbarkeit.“ (Dorothea Forstner, OSB, Die Welt der christlichen Symbole, Innsbruck 3 1977, 99.) „Ostern ist der ,Übergang‘ Christi durch das Leiden zur Herrlichkeit des Vaters, das Mitsterben der Kirche ist ihr Übergang zum Vollmond, zur Heimkehr in die Seligkeit.“ (Ebd. 102.)
In der Zeit der Reformation entbrannte zwischen Protestanten und Katholiken leider der Streit, welcher Tag der Drei Österlichen Tage (Gründdonnerstag, Karfreitag oder Ostersonntag) der höchste und wichtigste sei. Lutheraner betonten die Wichtigkeit des Karfreitages, was in den konfessionellen Grenzgebieten auch im Weserbergland an den Grenzen des katholischen Hochstiftes Paderborn zum Fürstentum Lippe, zum Herzogtum Braunschweig-Lüneburg oder zur Landgrafschaft Hessen-Kassel von den katholischen Bauern mit dem Ausbringen von Jauche oder Mist goutiert wurde. Die evangelische Retourkutsche erfolgte dann regelmäßig zum katholischen Fronleichnamsfest, am zweiten Donnerstag nach Pfingsten.
Theologisch macht es keinen Sinn zu erforschen, welcher der drei österlichen Tage der wichtigste ist. Die Reform der Liturgie durch das Zweite Vatikanische Konzil (1962-65) macht richtigerweise deutlich, dass die Drei Österlichen Tage vom Leiden, Sterben und der Auferstehung Christi eine unzertrennbare Einheit bilden. Auch die heutige protestantische Theologie folgt dieser Sichtweise grundsätzlich.
Es ist interessant zu beobachten, dass sich entweder ein Hahn oder ein Kreuz auf den Kirchtürmen befindet. In manchen Gegenden war das Kreuz ein Zeichen dafür, dass es sich um eine katholische Kirche handelte; der Hahn indes stand für eine evangelische Kirche. Lustigerweise war es in anderen Gegenden genau umgekehrt.

Wetterhahn und Kreuz verweisen zutiefst auf das Geschehen der Drei Österlichen Tage. Nach dem Letzten Abendmal sagt Jesus zu seinen Jüngern:
„Ihr alle werdet in dieser Nacht an mir Anstoß nehmen; denn in der Schrift steht: Ich werde den Hirten erschlagen, dann werden sich die Schafe der Herde zerstreuen. Aber nach meiner Auferstehung werde ich euch nach Galiläa vorausgehen. Petrus erwiderte ihm: Und wenn alle an dir Anstoß nehmen - ich werde niemals an dir Anstoß nehmen! Jesus sagte zu ihm: Amen, ich sage dir: In dieser Nacht, ehe der Hahn kräht, wirst du mich dreimal verleugnen. Da sagte Petrus zu ihm: Und wenn ich mit dir sterben müsste - ich werde dich nie verleugnen. Das Gleiche sagten auch alle Jünger.“ (Mt 26, 31-35)

Wir wissen, dass Petrus seinen Herrn verleugnet hat, aber wir wissen auch, dass die Geschichte gut ausgegangen ist, und auch wir glauben und hoffen, dass in dieser großen Heilsgeschichte unsere Lebensgeschichten mit allen Höhen und Tiefen, mit allen Um- und Abbrüchen, mit all' unserem Versagen gut ausgehen werden.
Der Weserberglander wünscht allen Leidenden Trost und Stärkung, den Sterbenden das ewige Leben und uns Lebenden die unsterbliche Hoffnung, einmal Anteil zu erhalten an der Auferstehung des HERRN.
Gesegnete und gnadenreiche Kar-und Ostertage!
UTGH
