Wissen Sie noch was heute vor neun Wochen los war?
Heute vor neun Wochen war der 2. April, es war der Gründonnerstag des Jahres 2026. Es war jener Tag, der in jedem Jahr wiederkehrt, nämlich der Donnerstag vor Ostern oder der Donnerstag vor Karfreitag.

Christinnen und Christen glauben und bekennen, dass an diesem Tag Jesus mit seinen Jüngern das letzte Abendmahl gehalten hat. Die Kirche hat es als Auftrag Jesu verstanden: Wann immer dieses Mahl gefeiert wird und wann immer die Worte, die Jesus gesprochen hat, wiederholt werden, wird das letzte Abendmahl mit Jesus und damit seine Gegenwart in unsere Gegenwart hinein versetzt.
Für Katholikinnen und Katholiken geschieht das in der Feier der Heiligen Messe; für evangelischen Christinnen und Christen vollzieht sich dies in der Feier des Heiligen Abendmahls.
Genau 9 Wochen später, also heute, feiern die Katholikinnen und Katholikinnen noch einmal auf eine ganz eigentümliche Weise den Gründonnerstag, gleichermaßen als Tag des Leibes und Blutes des Herrn, was im Mittelhochdeutschen Fronleichnam heißt.
Wenn es das Wetter zulässt, zelebrieren die katholischen Gemeinden gerne die Heilige Messe, die Eucharistie, im Freien und verbinden dies mit einer feierlichen Prozession, die oftmals über die Fluren führt, die jetzt in ganz besonderer Weise am Übergang des Frühlings zum Sommer leuchten und strahlen.

Die Feier von Fronleichnam war auch in Gebieten des Weserberglands oft ein Tag, an dem sich Katholiken von Protestanten abgrenzten. Die Weser war in der Regel die Grenze zwischen den Konfessionen. Noch heute wird das dadurch deutlich, dass in Niedersachsen kein Feiertag ist, aber in Nordrhein-Westfalen und in Hessen die Arbeit ruht.
Heute sollte ein solcher Tag nicht mehr ein Ab-Grenzfest sein, sondern eine große Einladung an alle Christinnen und Christen, aber auch an diejenigen, die nichts mit dem Christentum zu tun haben.
Fronleichnam könnte heute eine Einladung für alle sein, sich aufs Neue zu vergegenwärtigen, dass unsere Umwelt, die Schöpfung in der wir leben, von der wir leben und ohne die wir nicht leben können, nicht von uns erdacht und erfunden worden ist, sondern uns als Gabe und Aufgabe anvertraut ist. Das ist eine Aufgabe für alle Menschen guten Willens!
Für uns symbolisiert diese Prozession heute so etwas wie ein kleines Kind, dass seinen Eltern unbedingt seine Welt zeigen will, weil es etwas Neues und Schönes entdeckt oder selbst gemacht hat.

Genauso ist das mit der Prozession. Die Kinder Gottes wollen Gott alles zeigen, was sie umgibt, ihre schöne Welt und das, was sie in guter Absicht daraus gemacht haben.
Es ist jene Welt, die der Vater im Himmel schon ganz und gar kennt, weil er sie doch selbst geschaffen und dem Menschen anvertraut hat.
Fronleichnam ist für uns also ein Tag für alle, um gerade über dieses Vertrauen, das in den Menschen gesetzt worden ist, und seine globale Verantwortung für die Schöpfung nachzudenken.
Statt über die Abschaffung christlicher Feiertage nachzudenken, sollte Fronleichnam vielleicht zu einem Umwelt-Schöpfungs-Feiertag für alle werden, der verdeutlicht, dass wir auch in einer säklären Gesellschaft von Voraussetzungen und Ressourcen leben, die wir nicht selbst geschaffen haben.
Ihnen allen wünscht der Weserberglander einen frohen und gesegneten Tag, sei es ein Feiertag oder (noch) ein Arbeitstag!
Ihr Weserberglander
UTGH
